Gehasst, Verdammt, Vergöttert!

B (75) MM, Buckfastköniginn
B (75) MM, Buckfastköniginn

Eine vielleicht zunächst doch sehr passende Beschreibung der Buckfastbiene.
Was hat es auf sich mit der Buckfastbiene?Die Buckfastbiene ist eine Honigbiene, die der Rasse der westlichen Honigbiene, der "Apis mellefica" zugehörig ist. Hierbei handelt es sich um eine "Kulturrasse", die durch Kreuzungs- und Kombinationszucht erschaffen wurde. Sie ist eine erbfeste Bienenrasse, die über eine Zeitspanne von fast 70 Jahren von dem aus Deutschland stammenden Benediktinermönch, Bruder Adam OSB. (Karl Kehrle), in der Benediktinerabtei Buckfast (Buckfast Abbey) in Devon, im Südwesten.

Alles begann in den Jahren 1916/1917 im Kloster Buckfast. Seit 1913 breitete sich in England die Tracheenmilbe (Acarapis woodi) aus. Dieser Parasit raffte im Winter 1915/1916 den größten Teil der Bienenvölker des Klosters dahin, so dass von 46 nur noch 16 Völker übrig blieben. Allerdings waren dies keine einheimischen Bienenvölker, sondern entweder reine Ligusticavölker, oder aber Kreuzungen ligurischer Abstammung. Aus diesem Grund wurde die Völkerzahl wieder auf 46 erhöht, allerding durch Importe von Ligusticaköniginnen.

Diese erwiesen sich als weniger Tracheenmilbenanfällig, oder gar als tolerant diesem Parasiten gegenüber. Diese Begebenheiten führten dazu, dass im Sommer 1917 Ligusticajungfern mit Drohnen der alten, englischen Bienen gekreutzt wurden und der Klosterstand auf 100 Bienenvölker vergrößert wurde. Unter diesen Nachzuchten stach ein Volk durch seine besonderen Eigenschaften, unter anderem einer sehr guten Krankheitsresitenz hervor. Dieses Volk, das mi B1 bezeichnet wurde, bildetet sozusagen den Grundstock der Buckfastbienen.

Am 1. September 1919 wurde Bruder Adam zum Leiter der klösterlichen Imkerei ernannt und auch in diesem Jahr stieß er auf das von dem Berliner Bienenkundler Ludwig Armbruster veröffentlichte Werk "Bienenzüchtungskunde".

Der Pfad der Züchtung der Buckfastbienen war beschritten. Allerdings war damit die Buckfastbiene noch lange nicht erzüchtet.

Ein langer, einzigartiger Prozess der Bienenzüchtung begann. Die Grundlage und wichtigste Arbeit war dabei die ständige Beobachtung der Zuchtvölker mit einer ganz strengen und gnadenlosen Selektion. Um die Zuchtarbeit koordinieren zu können richtete Bruder Adam eine eigens dafür bestimmte Belegstelle in Sherberton in der Heide (Dartmoor) ein.

Dieser Grundstamm wurde nun durch weitere Zuchtstämme verändert, indem diese Stämme parallel dazu lange Zeit beobachtet und dahingehende Selektion betrieben wurde, dass man die guten Eigenschaften verstärkte und die schlechten ausmerzte. So entstanden einerseits eine Unmenge von Kreuzungen, aber nur wenige eigneten sich wirklich zur Intergrierung in den Hauptstamm. Es wurden hier aber keine neuen Eigenschaften erzüchtet, sondern die vorhanden Eigenschaften wurden bei diesem Prozess intensiviert.

Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: 1930 leitete Bruder Adam eine Zucht ein, die 1200 Jungweiseln hervorbrachte und innerhalb von 48 Stunden schlüpfte. Es handelte sich dabei um eine Kreuzung zwischen Ligustica-Königinnen und Buckfast-Drohnen. Bruder Adam wusste allerdings, dass nur Jungfern mit einer bestimmten Färbung die gesuchten Eigenschaften besitzen konnten (gekoppelte Vererbung). So blieben nur 200 Königinnen übrig, die er auf der Belegstelle anpaaren konnte. Die 1000 übrigen Königinnen wurden abgedrückt.

Dies war der Zuchtstamm, der 1940 in den Buckfast-Hauptstamm intergriert wurde.

1948 konnten mit der Erlangung der  instrumentellen Besamung neue Wege beschritten werden. 1950 begann Bruder Adam nun die Bienenstämmte auf dem sogenannten alten Kontinent zu beobachten. Er reiste nach Frankreich, in die Schweiz, Österreich, Italien, Sizilien und nach Deutschland, um die dort ansässigen Bienenstämme ganz genau studieren zu können. Zahlreiche Exemplare nahm er mit nach England, wo er sie einer strengen Prüfung unterzog. 1952 reiste er nach Algerien, Israel, Jordanien,Syrien, in den Libanon, nach Zypern, Griechenland, Kreta, Slowenien und in die ligurischen Alpen. Noch im selben Jahr führte er Kreuzungen mit der Cecropia durch, die sich als äußerst sanftmütig und schwärmträge erweisen. 1959 wird auch diese Verbindung in den Hauptstamm integriert. Noch in diesem Jahr bereist Bruder Adam die Iberische Halbinsel; Spanien und Portugal.

1960 werden Anatolierköniginnen mit Buckfastdrohnen angepaart und diese Verbindung 1967 dem Buckfaststamm einverleibt.

1962 reist er nach Marokko, nach Kleinasien, in die Türkei, zu den ägäischen Inseln nach Jugoslawien, Agypten und in die libysche Wüste.

1982 beginnt er mit Kreuzungsversuchen der Athosbienen und 1989 beginnt er nach einer Afrikareise Versuche mit der Scutellata- und Monticolabiene.

Allerdings konnte Bruder Adam diese Arbeit leider nicht mehr zu Ende führen, da sein hohes Alter und die damit einhergehende Altersschwäche dies nicht mehr erlaubten. Am 1.September 1996 verstarb Bruder Adam mit 98 Jahren.

Heutzutage wird die Zuchtarbeit europaweit durch die Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker (GdeB) koordiniert und weitergeführt. Dies geschieht auf privater Basis ohne jeglichen staatlichen Zuschuss. Die Imkerschaft hat europaweit zahlreiche Belegstellen eröffnet, die eine kontrollierte und sichere Erhaltungs- sowie Weiterzucht ermöglichen.

Noch ein paar Worte zur Buckfastbiene:

Vielerorts ist die Buckfatbiene verpöhnt und überhaupt nicht gerne gesehen. Viele verleugnen sogar deren Haltung aus Angst, Bienenstöcke könnten umgeworfen oder gar in Brand gesetzt werden. An dieser Stelle möchte ich alle, die sie haben, ermutigen, sich zu ihr zu bekennen.

Um einige Vorurteile aus der Welt zu schaffen:

  • Die Buckfastbienen ist eine erbfeste Bienen die mit Buckfastbienen angepaart auch immer wieder Buckfastbienen hervorbringt.
  • Buckfastbienen verseuchen nicht die Umwelt, denn eine Reinzucht im eigentlichen Sinn gibt es in der Natur auch nicht. Die Übergänge der verschiedenen Bienenrassen geschehen auch nicht aprubt, sondern geschehen oftmals über Kreuzungen.
  • Wenn jeder Rassezüchter auf entsprechenden Belegstellen mit entsprechendem Schutzradius seine Bienen bei Reinzuchten geziel anpaart, so bleibt auch die Rassenvielfalt gewahrt.

Fazit: "Wer die Buckfastbiene nicht kennt und negativ über sie redet, der sollte sie zunächst einmal kennen lernen, um sich ein differenziertes Urteil über sie bilden zu können. Bei dieser Biene handelt es sich um ein kleines "Wunder", geschaffen von Bruder Adam, die durch Fruchtbarkeit, Sammeleifer, Krankheitsfestigkeit, Schwarmträgheit, Sanftmut und Wabenstetigkeit dominiert."

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